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SMALLTAPE: THE OCEAN 


VÖ: 09.06.2017
Tipp des Monats: Juni 2017 www.babyblaue-seiten.de
Rein optisch schon ein ästhetischer Genuss, schließt sich der 10-Song-Reigen des Philipp Nespital (was für ein schöner Nachname) unter dem Label smalltape musikalisch im gleichen Modus an. Ich nehme „The Ocean“ als Konzeptwerk, gewiss in der textlichen Geschichte, doch ebenso in der instrumentalen. Denn hier fließen die Themen ineinander, greifen verwandte stilistische Mittel weit in fremde Sphären ein, baut sich ein kraft- wie gehaltvolles Werk auf, das Freunde des romantischen Symphonic Rock nur durchaus verzücken kann.

Innerhalb der progressiven Rockmusik gibt es nur wenige konkrete verwandte Ansatzpunkte, konzeptuell fallen mir Neal Morse oder Steven Wilson als Vergleiche ein, aber das hinkt. Philipp Nespital lehnt sich nicht an, sondern bastelt seine eigene Baustelle, wenn überhaupt, ist nur der Ansatz verwandt. Alle drei arbeiten hochaktuell, lassen historische Einflüsse nur nebensächlich einfließen und gestalten eigene Ästhetik.

Dennoch ist „The Ocean“ auf den ersten Eindruck als Progressive Rock zu erkennen. Klar, wer an Progressive Rock dockt, erkennt seine Droge, wie jeder anders Interessierte sein Terrain trainiert. Das Album läuft schön lange instrumental ein, ohne langweilig zu klingen. Ganz im Gegenteil, Komposition und Klima sind stringent und scharfkantig gesetzt, Eigentlich, so das Ohr, braucht es keinen Gesang. Bis dieser mit dem dritten Track einsetzt, zart und sanft gesungen passabel eingeht.

„When the Waves devide“ ist rein klassisch eingespielt. Zwei Violinen, eine Viola und ein Violoncello dürfen dankbarer Weise kein Rockthema intonieren, sondern eine komplex akzentuierte klassische Note spielen. Die Streicher fließen in das zweite Stück, das schließlich von den Rockinstrumenten übernommen wird und kraftvoll lässig in seine sechs Minuten zieht.

Das überwiegend akustische Gitarrenstück „The Shore“ liefert dann den Gesang, der angenehmer Weise wohltut. So ein Gitarrensong kann auf einem Alternativ-Rock- oder einem Popalbum sein, ohne aufzufallen. Hier passt er ebenso. Nach dem instrumentalen Warmwerden setzt die Story ein, Sänger und Noten nehmen mit, nix doof. Passt ans Lagerfeuer wie vor die hohen Boxenmeter im Musikzimmer. Nur die Texte sind nicht abgedruckt.

Das Internet ist noch zu jung dafür, aber vielleicht werden die englischen Lyrics noch geliefert oder ich bin noch nicht drauf gestoßen. „Mirror“ sendet popfunktionale Progsignale aus, schöner Song für die ganze Familie mit Energie und Drive, gut geschrieben und gespielt, aber kaum außergewöhnlich, indes nicht weniger als angenehm gut. Peu a peu baut sich das Werk weiter, jazzige Strukturen fallen ein, Worldmusic-Artiges bekommt Raum, knackharter Rock darf saftig abdonnern, Gesangsharmonien schmelzen aus den Boxen. Macht Laune.

„Kaventsmann“ lässt mich aufhorchen. Was mag sich hinter diesem Titel nur verbergen? Das (der) fette Rockriff geht gut ins Ohr, kratzige Schwelltöne regen das emotionale Hören an, alter Falter, der Song ist enorm wirkungsvoll! Ab etwa 7 Minuten Laufzeit setzt mit einem „Riders on the Storm“ - ähnlichen Ansatz ein flüssig grooviges Jazzmotiv an, das gern ins Ohr will. Der Track wird immer jazziger, schließlich setzt gar Saxophon ein, später, nach 10 Minuten, übernehmen die Streicher das Thema und der symphonische Jazzrock läuft und läuft, wird voluminöser und hitziger, bis ab 13 Minuten ein klassisch elegisches Motiv übernimmt und alle Energie melancholisch eingeschmolzen wird. Alle Achtung, diese Viertelstunde allein ist das reiche Album wert.

Smalltape lassen qualitativ nicht nach, schön, wie „Concrete Silence“ aus melancholischer Lyrik immer kraftvoller wird, ohne die schwermütige Note ganz zu verlieren. Doch erst die instrumentale Exegese ab 4 Minuten macht das Stück richtig interessant. Schön, dass es so viel davon gibt. Über die knapp 9 Minuten werden so viele emotionale und instrumentale Motive vorgestellt und ausgelebt, dass der sesselklebende Zuhörer alle Zahnschmerzen vergisst.

Noch einmal energischer wird das düster-wüste „The Ocean Pt. 2“, das sich durch alptraumhafte Sequenzen kämpft, bis es, befreit, schöngeistig und schwungvoll weiterspaziert und sich in epischer Weite mit durchaus kraftvollen instrumentalen Inlays verliert.

Danach ist die nachsportlich erschöpfte Meditation des vom Piano begleiteten „Picture of a Dawn“ ein letztes Aufbäumen (mit wiederum verblüffenden instrumentalen Kick) vor dem Ende der Story. Und auch das erneut liedhafte Stück, stilistisch vielseitig einsetzbar, zeugt von kreativer Intensität.

„The Ocean“ ist ein bunter, lebhafter Reigen kraftvoller Rockmusik mit leidenschaftlich symphonischer Note, dessen beide Seiten, die Gesangsinterpretation wie die oftmals verblüffend präsente instrumentale Extravaganz, überzeugen können. Der Band ist ein tolles Album gelungen, das in seiner Vielseitigkeit und knackigen Präsenz gut ins Ohr geht.
(V. Mantei/BBS - 12/15)

Format: CD | BestellNr.:24248 | Preis: € 15,99  



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