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IZZ

Crush Of Night

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  • 13866
  • IZZ
  • CD
  • PROGRESSIVE
  • 11.05.2012
VÖ: 11.05.2012 Anders als die soweit vergleichbaren SPOCK‘S BEARD, die nach dem Weggang... mehr
VÖ: 11.05.2012 Anders als die soweit vergleichbaren SPOCK‘S BEARD, die nach dem Weggang ihres Betbruders verhalten Moderne einkehren ließen, musiziert die New Yorker Institution IZZ weiterhin konservativ US-proggig. Was Wunder, dass „Crush Of Night“ den zweiten Teil einer Trilogie darstellt? Dies erschließt sich weniger in textlicher als musikalischer Hinsicht, denn die Stücke wurden zur selben Zeit ersonnen wie jene des 2009er Vorgängers „The Darkened Room“. Mit „You‘ve Got A Time“ finden IZZ einen folgerichtigen Einstieg, der es den Hörern in seiner Knappheit leichtmacht, sich in die Materie einzufinden, was insofern ungezwungener vonstattengeht als bei anderen Bands dieser Couleur, da Paul Bremner und Konsorten – hier greift der Bezug zu den Bärten wieder – sehr auf griffige Melodien bedacht sind. GENTLE GIANT, deren Gary Green sich am farbenfrohen „Words And Miracles“ beteiligt hat, verfuhren zu ihren Hochzeiten ähnlich, obschon deutlich komplexer als IZZ. Dieses Lied verwandelt sich erst auf halber Strecke (nach dreieinhalb Minuten) in ein Gesangsstück, büßt aber nichts an seiner schillernden Ideenfreude ein: Bass-Arpeggien, Akustikgitarren und der einstweilen harmonisierte Duett-Gesang der Galgano-Brüder sind längst kennzeichnend für das Sextett geworden. Die langjährige Erfahrung bedingt, dass sich „Crush Of Night“ zwar nicht erheblich von seinem Vorläufer unterscheidet, aber dafür kompositorisch und klanglich (immerhin hat Grammy-Anwärter John Shyloski gemischt) sehr stringent ausgefallen ist und keinerlei Längen verzeichnet. Das entspannte „Solid Ground“ (Anmarie Byrnes schließt sich am Mikrofon an) wartet mit zeitgenössisch pochenden Drum-Loops auf, die IZZ zu einem fast poppigen, aber virtuos mäandernden Hit verhelfen. „Half The Way“ bohrt weiter in diese Stoßrichtung, da es sich dabei um nichts weniger als eine Piano-Ballade ohne bemüht intellektuellen Hintersinn handelt, die zum Ende hin von elegischen Keyboard-Schmatzern und saftigen Gitarrenleads gekrönt wird. Der Titelsong teilt sich in je zwei 13-minütige Parts auf („This Reality“ und „The Crush Of Night“). Inhaltlich steht das Streben des Menschen nach Sinn und Identität im Vordergrund, und was böte sich dazu besser an als das epische Format? IZZ gehen zwar recht ungezwungen mit Gott und Religion um, verweisen im Text aber auf ein wegweisendes Buch und kolportieren, aus einem vorgegebenen Grund auf Erden zu wandeln. Ausdruck finden diese Behauptungen in der ersten Hälfte als recht zerfaserte Komposition: Nach einer Einleitung im gewohnten Stil beginnt es erneut, sphärisch zu pluckern, bevor sich die beiden Geschlechter zum Piano-Synthie die lyrischen Bälle zuspielen. Ist der Text zur Hälfte aufgesagt worden, gewinnt die Gitarre an Relevanz, gewissermaßen im Frage-Antwort-Spiel mit den Gesangsstimmen. Teil zwei des Mammutstücks startet ungleich handfester mit Bass und Drums, wiewohl ebenfalls getragen und eingedenk elektronischer Percussion-Sounds, die das Klangbild hin und wieder andicken. Der Charakter ist nunmehr hinterfragender Natur, die Unter malung eher schlingernd und nur dann versöhnlich, wenn Byrnes singt. Unterm Kopfhörer begeistert das Drumming aufgrund des Stereo-Pannings der einzelnen Trommeln, derweil man zur Erfassung der Struktur achtgeben muss: IZZ scheren sich hier weniger um Prägnanz als ums Vermitteln des Textinhalts. Dementsprechend bleibt es nicht bei einem oder zwei Stimmungsbildern. Der instrumentale Unterboden schwankt fortwährend je nachdem, was die Sänger zu Gehör bringen. So entsteht gewissermaßen Programmmusik für die Prog-Klientel. Da selten nicht gesungen wird, entstehen kaum Längen, und man lauscht aufmerksam, was die Künstler auf dem Herzen haben. Umso befriedigender, dass dieser Brocken einen stimmigen Abschluss erfahren hat, der den Hörer gelöst zurücklässt. Passend dazu erweist sich das letzte Stück „Almost Over“ (schon klar) als locker-leichter Feger, noch einmal schnell greifbar und harmonieselig. In dieser Form dürfen IZZ, Konservatismus hin oder her, gern weitermachen. FAZIT: IZZ haben sich im Laufe der Zeit län gst eine Nische erspielt, ohne auffallend originelle Musik zu machen. Auch „Crush Of Night“ zeichnet sich durch erstklassiges Handwerk und kompositorisches Geschick beim Entwerfen weitgefasster Rockstücke mit vielen Schichten aus. Der zwanglose, aber tiefe inhaltliche Boden verkommt dadurch auch nicht zum Selbstzweck und droht keinesfalls einzubrechen – beste Voraussetzungen also für anhaltende Freude. (Andreas Schiffmann/musikreviews.de - 11/15 Punkten)
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