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TROJKA

Tre Ut

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  • 27754
  • TROJKA
  • CD
  • PROGRESSIVE
  • 22.03.2019
Es ist faszinierend, dass der Trend anhält, wonach Norwegen dem benachbarten Schweden in Sachen... mehr

Es ist faszinierend, dass der Trend anhält, wonach Norwegen dem benachbarten Schweden in Sachen (Retro-)Prog immer weiter den Rang abläuft, und 2019 scheint sich diese Entwicklung ungebremst fortzusetzen. Nachdem es in den letzten Monaten schon unterhaltsame Platten von Panzerpappa und Jordsjø gab, legen nun auch Trojka aus Bergen mit ihrem Zweitalbum "Tre Ut" ein ziemliches Pfund auf die Waage, die angesichts der Tatsache, dass heuer aus dem Land von - ich weiß, billige Klischees - Knäckebrot, Zündhölzern und Eigenbau-Möbeln in dieser Richtung lediglich die Kooperation von Isildurs Bane & Peter Hammill zu vermerken war, schon wieder äußerst einseitg belastet wird.

Trojka sind, was bei diesem Namen nicht wirklich überrascht, zu dritt und replizieren mit ihrer instrumentalen Aufgabenteilung zwar die ELP-Besetzung, zur Gitarre greift Bassist und Sänger Simon Ulvenes Kverneng allerdings nur vorübergehend mal in "Fly". Entsprechend sollte es wohl auch nicht verwundern, dass Trojka auf "Tre Ut" ebenfalls keinen ganz normalen Retroprog spielen, sondern stattdessen außerordentlich jazzig agieren, wozu jeder der drei Musiker einen gehörigen Teil beiträgt. Prägend sind also das außerordentlich groovige Schlagzeug, griffige Läufe mit Bass sowie E-Piano- und Rhodes-Keyboardsounds sowie gelegentlich scharf schneidende, aber eigenartigerweise nie archaisch klingende Synth-Soli. All das wird allerdings nicht unter Hochdruck gespielt, sondern zumeist eher cool und relaxt - da die so verbleibende Luft nach oben in einigen treibenden Passagen dennoch gelegentlich gefüllt wird, entsteht dennoch eine außerordentliche Dynamik.

Gesungen wird übrigens auch, das zwar nicht in jedem Stück, dafür aber gerne auch mehrstimmig, mal harmonisiert, mal verschachtelt, vor allem aber immer mit Rücksicht auf die Widerhaken der Rhythmik. Man mag sich angesichts stimmlicher Unauffälligkeit und melodisch eher simpler Linien zwar fragen, ob das wirklich nötig wäre, andererseits lässt sich aber feststellen, dass der Gesang der Musik noch ein weiteres gangbares Moment hinzufügt (gerade auffällig in der Art und Weise, wie sich das melodisch eigentlich recht dröge "Jakten" immer wieder auflockert und belebt), und außerdem gibt's mit den Harmonien noch einige nette Momente, die an die Beatles oder Bigelf erinnern (oder, wie in "Nattevakt" mit seinem funkigen Rhythmus, an die Bee Gees der Travolta-Ära).

Trotzdem liegt der Schwerpunkt natürlich in der Hauptsache auf den Instrumenten. Der eigentliche Clou ist aber, dass Trojka unglaublich kompakt und somit kurzweilig spielen, denn die Drei- und Vierminüter sind bei aller Kürze trotzdem mit Breaks, Wendungen und Abwechslung, in einem Wort: Struktur nur so gespickt - und das alles eben trotzdem in völlig unaufgeregter, alles andere als überhasteter Weise. Und da gibt es vieles zu hören: Das programmatische, sich von einer Morsecode-Basslinie (vergleiche: UK - "In The Dead Of Night", Yes - "Mind Drive") aus dramatisch steigernde "Orkan", das Hansson-&-Karlsson-mäßige Stampf-Passagen einschiebende "Penger", den schon erwähnten Discobesuch in "Nattevakt" und schließlich das kuriose "Grenseland", in dem sich wehmütige E-Piano-Akkorde und traurige Soli mit einem Tuba-artigen Motiv und bizarren Wendungen beißen.

Bei aller Qualität und Kompetenz gibt's nur ein paar kleinere Makel. Vornehmlich wäre da das eher zerrissen wirkende "Forbi mørket", dessen 7/8-Passagen nicht so ganz fluffig in balladeske Zwischenparts und schnellere Abschnitte übergehen. Auch die erwähnte Gitarrennummer "Fly" klingt mit ihren Akustiksounds vielleicht eine Spur zu samtig (was andererseits zur Blumenwiesen-Anmutung von solchem Yes-Harmoniegesang passt). Zudem lässt die Häufung etwas ruhigerer bzw. nachdenklicherer Stücke in der zweiten Hälfte ("Forbi mørket", "Grenseland" und das etwas wie ein Zappa-Interlude, z.B. dem "Zoot Allures"-Titeltrack klingende "Å se") das Album als Ganzes gegen Ende etwas schleifen. Trotzdem wird auch hier durchgehend auf hohem, gar sehr hohen Niveau musiziert, und der nicht minder bewegte Titeltrack führt alle Fäden dann nochmals zusammen.

Also: Trojka agieren auf "Tre Ut" wirklich außergewöhnlich und liefern eine über alle Maße abwechslungsreiche Platte zwischen Jazzrock und klassischem Trio-Prog (der übrigens mehr an Schicke Führs Fröhling denn an ELP erinnert) ab, die neben ihrer Komplexität noch durch die Zugänglichkeit der kurzen Stücke und sogar noch mehr durch die alles überstrahlende Coolness und Souveränität punkten kann - und das eben noch mit dieser typischen feinen Melancholie, die skandinavischem Prog so gerne nachgesagt wird und hier dann die letzten noch freien Ecken besetzt. Eine wirklich außergewöhnliche Mischung!

(G. Claußen/BBS - 13/15)




Second album from the Bergen-based prog-pop trio Trojka. Following up their excellent debut album "I Speilvendthet" from 2017, their new album was studio-recorded by Njål Paulsberg (Young Dreams etc). The album displays Trojka’s versatility – from groovy, danceable hooks to touching ballads, from jazzy soundscapes to energetic, hectic synth and bass lines in varying time signatures. The creative lyrics (sung in Norwegian) are matched by the cover art by Ronja Svenning Berge

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