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OSTA LOVE

The Isle Of Dogs

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  • 30973
  • OSTA LOVE
  • CD
  • PROGRESSIVE
  • 01.06.2015
So, es gilt zunächst einmal, ein Missverständnis auszuräumen: Auf "Good Morning Dystopia", dem... mehr

So, es gilt zunächst einmal, ein Missverständnis auszuräumen: Auf "Good Morning Dystopia", dem vor zwei Jahren erschienenen Debütalbum einer jungen Band aus Berlin, schrieb diese sich noch "Osta Lcve". Nun scheint man offenbar klarstellen zu müssen, dass das "c" im Bandnamen damals als angeschnittenes "o" gedacht war. Nun, das schlucken wir dann erst mal und nennen die Band, die heuer mit "The Isle Of Dogs" (bekanntlich der Name eines mittlerweile als Finanzplatz bekannten Stadtteils im Londoner East End - ist Berlin schon zu klein geworden...?) ihr zweites Album vorlegt, fortan eben Osta Love.


Rein musikalisch knüpft dieses Album in Gestalt des Titelsongs nahtlos an den Stil des Vorgängers an: Melancholischer Rock mit Klavier statt Riffs, verspieltem Rhythmus, aber gebremstem Tempo und ein wenig gesprochen wirkendem Gesang, der entfernt an Frank Bornemann erinnert. Im gleichen Zusammenhang passt allerdings auch das spaßige Zwischenspiel nach ca. 2:20 Minuten, das erst ein bisschen an Gentle Giant erinnert und von dieser Basis aus einen Latin-Ryhthmus einführt, gut ins Bild, denn auf dem Debütalbum jonglierten Osta Love ja ebenfalls gerne mit stilfremden Einwürfen und unterschwellig eingeführten Rhythmus-Spielereien. Gerade letztere nehmen nun aber auf "The Isle Of Dogs" einen umso größeren Rahmen ein. So bringt "Down To The River" schon nach wenigen Sekunden einen überaus zappeligen Rhythmus ins Spiel, der den ansonsten entspannt-neoproggigen Charakter der Musik (höre auch das kurze Synthie-Solo in der genauen Mitte bei ca. 1:40) gehörig Beine macht. Auch unter dem starken "The Sea", das ansonsten von einprägsamem Harmoniegesang lebt, hinter dem fast alles andere zurücktritt, fuhrwerkt ein angesichts der Eingängigkeit ungewohnter 7/8-Takt. Anderswo gibt es beispielsweise noch Lounge-Bossa zu hören ("Black Beacon Sound") oder Anklänge an Reggae ("Moonshine At Midnight"). Also, diese Beobachtungen lassen sich nun auf folgende Charakteristik herunterbrechen, die die Stücke dieses Albums prägt: Es gibt eingängige Melodien, aber unten drunter eine komplexe Basis - was zeitweilig übrigens auch auf die Melodien rückwirkt, die hier und da mal elegant aus ihrem eigenen Rhythmus ausbrechen. Die Arrangements dazu sind mal zurückhaltend, mal pompös, aber stets wohlüberlegt und nur ganz selten (siehe das Intro von "Green Hills Of Home") übertrieben bis kitschig. Zudem tendieren die Soli und Instrumentalpassagen gelegentlich in Richtung Jazz ("Moonshine At Midnight", "Translucent Engineering"). Und für einen schönen Text-Musik-Bezugs-Gag sind Osta Love auch gut: Die Gesangsmelodie und die Harmonien in "Moonshine At Midnight" entwickeln sich genau dermaßen unvorhersehbar, dass die Frage "How should I know if I‘m heading in the right direction?" durchaus berechtigt erscheint. Was fällt sonst noch auf? Floydig ist die Musik anders als auf dem Debüt übrigens eher nicht mehr, und sehr oft wirken auch die Arrangements fülliger und durchdachter als jene von vor zwei Jahren. Dafür kommen an verschiedenen Stellen Erinnerungen an andere Sachen auf, so klingt beispielsweise "Green Hills Of Home" etwas nach "Another Day" von Heart Of Cygnus, der Longtrack "Translucent Engineering" fängt wie eine Akustik-Persiflage von "In The Court Of The Crimson King" an, und mit dem Bossa-Rhythmus und der entsprechenden Phrasierung des Gesangs erinnert "Black Beacon Sound" ein bisschen an "Break On Through (To The Other Side)" von den Doors. Nun, diese Referenzen sind keinesfalls negativ auszulegen, sondern sprechen umgekehrt viel mehr für die Qualität von "The Isle Of Dogs". Denn alles in allem bleiben Osta Love dennoch zumeist derart eigenwillig und innovativ und doch zugänglich, dass derlei bekannte Fragmente regelrecht als Wegweiser taugen - wie ein Bekannter in einem fremden Land, der einen in hiesige Sitten und Gebräuche einweihen kann.


Also: Im Vergleich zum ohnehin starken Debüt ist "The Isle Of Dogs" nochmals eine Steigerung, obgleich die Musik hier völlig ohne Härte oder Ausbrüche auskommt. Auch das spricht für die Qualitäten der Berliner. Die Songs tun es ja sowieso.


(G. Claussen/BBS - 12/15)

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