The Flower Kings Interview

Der Spaß ist zurück...

Die im schwedischen Uppsala beheimateten The Flower Kings zählen mit ihrem sinfonischen, gelegentlich leicht psychedelischen Sound seit Mitte der 1990er zu den globalen Top-Acts des progressiven Rocks. Nach einer viel zu ausführlichen, weil über sechs Jahre andauernden Studioauszeit ist die Formation nun mit „Waiting For Miracles“ zurück. Wir sprachen mit Sänger, Gitarrist und Mastermind Roine Stolt, der für unser Telefonat kurz seine Feinarbeiten am 2020 erscheinenden, bereits eingespielten, fünften Alben seines anderen Projektes, der Supergroup Transatlantic, unterbrach, über die Entstehung der grandiosen Doppeldisc.

Hallo Roine, vor Veröffentlichung von „Waiting For Miracles“ hattet ihr zuletzt „Desolation Rose“ auf den Markt gebracht. Das war immerhin schon 2013. Nach der dazugehörigen Konzertreise wurde es für lange Zeit sehr ruhig um The Flower Kings, bevor 2018 „Manifesto Of An Alchemist“ erschein. Dieses Werk firmierte allerdings unter dem Projektnamen Roine Stolt‘s The Flower King; war also mehr ein Alleingang, oder?

„Ja, das war eigentlich ein Solo-Ding. Um ehrlich zu sein, war ich mir zu diesem Zeitpunkt selbst schon längst nicht mehr sicher, ob die Gruppe überhaupt noch existierte. (lacht)

Nun seid ihr aber doch wieder zurück. Wie kam es dazu?

Ich erhielt eine E-Mail von unserem Label Inside-Out Records. Anlässlich ihres 25. Jubiläums wollten sie gern eine Tournee mit uns und Spock’s Beard organisieren, da wir damals ihre ersten, beiden international wirklich erfolgreichen Signings waren. Ich bat mir etwas Bedenkzeit aus. Nur ein paar Tage später kam dann, komplett ohne Verbindung zu der InsideOut-Geschichte, ein tolles Angebot von einem Promoter aus Südamerika. Wir hatten dort zuletzt vor über 15 Jahren gespielt, aber nur allerbeste Erinnerungen an die Auftritte und besonders an die Menschen. Ich, und auch die anderen Jungs, wollten schon immer mal wieder nach Brasilien, Argentinien oder Chile zurückkehren.“

Dann waren also diese beiden Tour-Angebote der Auslöser für die Reaktivierung der Band?
„Definitiv. Ich nahm das einfach als Zeichen und fragte unseren Bassisten Jonas Reingold und meinen Co-Gründer, Gitarrist Hasse Fröberg, ob sie Lust hätten es noch einmal gemeinsam zu probieren. Beide waren zum Glück sofort dabei. Dazu rekrutierten wir Mirrko De Maio am Schlagzeug und Keyboarder Zach Kamins als neues Blut für das Line-Up. Letzterer ist übrigens ein Cousin von Howard Shore, dem dreifach Oscar-prämierten Komponisten der ‚Herr der Ringe‘- Filmmusiken.“

Bist Du großer Tolkien-Fan? War diese Verbindung der Grund den Amerikaner Zach Kamins zu engagieren?

„Ha, ha. Ja. Äh, nein. Also, ich bin natürlich Tolkien-Fan. Wer ist das nicht? Aber seine Verwandtschaft mit Howard Shore war wirklich nicht der Grund Zach in die Band zu holen. Das habe ich erst herausgefunden, als er schon eine Weile dabei war. Zach verschweigt seinen Cousin nicht, aber er geht auch nicht mit seinem Namen hausieren. (lacht) Der Junge ist ein Flower King geworden, weil er ein großartiger Instrumentalist und noch dazu ein ausgesprochen talentierter Songschreiber und Arrangeur ist. Außerdem hilft er mir noch bei den Lyrics.“

Wie liefen die zwei Tourneen durch Europa und Südamerika? Habt ihr bereits unterwegs entschieden danach weiterzumachen und sogar eine neue Platte in Angriff zu nehmen?

„Die Tour durch Südamerika lief ausgesprochen positiv. Ich war sehr überrascht davon wie viel Spaß es mir machte, speziell die uralten Nummern wieder einmal zu spielen. Während wir dann noch, gemeinsam mit unseren Langzeit-Freunden von Spock’s Beard einen schönen, erfreulicherweise richtig gut besuchten Trip durch Europa unternahmen, fing ich tatsächlich an darüber nachzudenken neue Songs für The Flower Kings zu schreiben. Und hier sind wir nun – „Waiting For Miracles“ ist fertig. Ich könnte nicht stolzer darauf sein, was wir erschaff en haben.“

Wie würdest Du das Album stilistisch und klanglich beschreiben beziehungsweise wo würdest du es im Kontext eurer gesamten Diskografie einordnen?

„Wer sich die Platte anhört, wird sofort merken, dass sie den frühen Scheiben wie ‚Retropolis‘, ‚Stardust We Are‘ oder ‚Space Revolver‘ deutlich ähnlicher ist, als unseren jüngeren Werken. Das ist kein Zufall. (lacht) Ich überlegte nämlich, bevor ich mit dem Schreiben anfing, welche Ära der Band mir persönlich am meisten Spaß gemacht hätte. Das waren eindeutig die frühen Jahre, in denen wir nicht lange überlegten, sondern sämtliche künstlerischen Entscheidungen mit dem Bauch fällten. Genauso spontan und frei ging ich dann an die Arbeiten heran. Im Gegensatz zu den letzten Longplayern, machte ich mir keinen Kopf, sondern schrieb einfach drauflos. Wenn es sich ein Song am ersten Tag gut anfühlte, dann ist er so auf dem Album gelandet. Zuletzt hatten wir einfach zu viel gezweifelt, nachgedacht und herumgebastelt. Unsere späteren Platten sind noch immer klasse und ich bin unverändert sehr zufrieden mit ihnen. Vor allem, weil es offenbar eine Menge Fans gibt, die sie sehr mögen. Aber ‚Desolation Rose‘ oder ‚Banks Of Eden‘ zu machen, war für uns selbst keine reine Freude, sondern pure Nervensache und harte Arbeit, die oft in Uneinigkeiten mündete. Diese Situation führte dazu, dass wir irgendwann keine Lust mehr hatten und es so lange keine Platte gab.“

An der Entstehung von „Waiting For Miracles“ hattest du nun aber wieder Spaß?

Ja, absolut. Das war dieses Mal wieder völlig anders. Das Komponieren ging locker von der Hand; auch weil ich in Zach einen tollen Kreativpartner gefunden habe. Zusätzlich zu den neuen Stücken habe ich auch ein paar ältere Ideen, die es aus irgendwelchen Gründen nie auf eine der früheren Platten geschaff t hatten, rausgekramt und endlich zu Ende formuliert. Das Resultat ist, dass wir aktuell so frisch und unbekümmert klingen, wie seit zwei Dekaden nicht mehr. Ich kann es kaum erwarten, dass die Leute ‚Waiting For Miracles‘ hören und unseren Fans die Nummern dann live vorzustellen.“

Interview: Oliver Kube

 

© 2019 Oliver Kube   © photo 2019 Johnny Taxen

 

Tags: Interview
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